Es ist so: Jeder hatte Bayern München den Bundesliga-Titel 2025-26 bereits im August zugesprochen. Die Umfragen vor der Saison sahen sie mit einem komfortablen Vorsprung von über 10 Punkten gewinnen. Doch Ende April, mit nur noch vier verbleibenden Spielen, ist diese Krönung alles andere als sicher. Bayern thront mit 71 Punkten an der Tabellenspitze, mit einem mageren Zwei-Punkte-Vorsprung vor einem überraschend widerstandsfähigen Borussia Dortmund, das 69 Punkte hat. RB Leipzig, das dunkle Pferd, das jeder halbwegs erwartet hatte, liegt mit 61 Punkten weit abgeschlagen auf dem dritten Platz und ist damit praktisch aus dem Rennen.
Bayerns Tordifferenz, normalerweise ein riesiger Vorteil, beträgt +48, nur geringfügig besser als Dortmunds +42. Das ist nicht der übliche Bayern-Dampfwalze. Sie haben auf frustrierende Weise Punkte liegen gelassen, wie das 2:2-Unentschieden zu Hause gegen Augsburg im März, wo sie eine späte Führung verspielten. Harry Kane, obwohl er in dieser Saison 28 Ligatore erzielt hat, konnte sie nicht im Alleingang durch jede schwierige Phase ziehen. Ihre Auswärtsform war besonders wackelig, mit Niederlagen in Hoffenheim und Stuttgart, beides 2:1-Niederlagen, die Stirnrunzeln hervorriefen.
Dortmund hingegen hat in der zweiten Saisonhälfte eine bemerkenswerte Leistung gezeigt. Nach einem schleppenden Start, der sie im Dezember auf dem vierten Platz sah, fand die Mannschaft von Edin Terzić ihren Rhythmus. Julian Brandt war entscheidend, erzielte 12 Tore und lieferte 10 Vorlagen, was ihn zu ihrem produktivsten Angreifer machte. Der größte Unterschied war jedoch ihr Transferfenster im Januar. Die Verpflichtung des defensiven Mittelfeldspielers Manuel Ugarte von PSG für 55 Millionen Euro war ein Geniestreich. Ugarte hat ihrem Mittelfeld eine Härte verliehen, die schmerzlich vermisst wurde, und Emre Can ermöglicht, eine offensivere, Box-to-Box-Rolle zu spielen, die ihm gut getan hat. Seit Ugartes Ankunft hat Dortmund in 12 Ligaspielen nur 7 Gegentore kassiert, eine deutliche Verbesserung gegenüber den 19 Gegentoren in der ersten Saisonhälfte.
Die direkten Duelle zwischen diesen beiden Giganten erzählen eine interessante Geschichte. Bayern gewann den ersten Klassiker im Oktober in der Allianz Arena mit 3:1, ein ziemlich komfortabler Sieg, bei dem Kingsley Coman und Jamal Musiala überragten. Aber das Rückspiel im Signal Iduna Park im Februar war ein ganz anderes Kaliber. Dortmund, angetrieben von einer lauten Heimkulisse, sicherte sich einen wichtigen 2:1-Sieg dank eines späten Siegtreffers des eingewechselten Karim Adeyemi in der 88. Minute. Dieses Ergebnis reduzierte Bayerns Vorsprung von fünf auf zwei Punkte, und es fühlte sich wie eine seismische Verschiebung im Titelrennen an. Es war auch Bayerns erste Liganiederlage in Dortmund seit fünf Jahren, was eine lange Dominanzserie beendete.
Mal ehrlich: Bayerns Kaderbreite wirkt etwas dünner als in den Vorjahren. Serge Gnabry war von Verletzungen geplagt und kam nur auf 15 Ligaspiele, und ihre Abhängigkeit von Kane ist fast ungesund. Sollte Kane eine schwere Verletzung erleiden, würden ihre Titelhoffnungen wahrscheinlich schwinden. Dortmund hingegen scheint eine neue Widerstandsfähigkeit gefunden zu haben. Sie haben fünf ihrer letzten sechs Ligaspiele gewonnen, darunter einen hart erkämpften 1:0-Sieg gegen Stuttgart am vergangenen Wochenende, ein Spiel, das sie in früheren Saisons leicht unentschieden hätten spielen können.
Betrachtet man die restlichen Spiele, so hat Bayern als Nächstes eine schwere Auswärtsreise nach Wolfsburg, gefolgt von Heimspielen gegen die angeschlagenen Mainz und Union Berlin, bevor die Saison bei einer kniffligen Leverkusener Mannschaft endet, die immer noch um einen Europa-League-Platz kämpft. Dortmunds Spielplan ist wohl etwas einfacher: zu Hause gegen Augsburg, auswärts in Mönchengladbach, dann zu Hause gegen Freiburg und schließlich am letzten Spieltag eine Reise zum abstiegsbedrohten Bochum. Das Auswärtsspiel in Mönchengladbach könnte für Dortmund ein echtes Stolperstein sein; sie haben sich dort historisch schwergetan, selbst gegen schwächere Gladbacher Mannschaften.
Meine gewagte These? Bayern wird das vergeigen. Sie sahen die ganze Saison über anfällig aus und verließen sich eher auf individuelle Brillanz als auf geschlossene Teamleistungen. Dortmund, mit ihrer verbesserten Abwehr und dem Schwung aus dem Klassiker-Sieg im Februar, wittert Blut.
Kühne Vorhersage: Borussia Dortmund wird am letzten Spieltag die Meisterschale in die Höhe stemmen und den Titel mit einem knappen Ein-Punkt-Vorsprung vor Bayern München sichern.